REVIEW | 31.01.2018 – Gloria – Hannover

Wenn der Spaßvogel ernste Lieder trällert – Gloria begeistern 700 Zuschauer im Capitol

Wer über Jahre hinweg im Fernsehen mit Gags um sich wirft, wird zwangsläufig als Spaßvogel abgestempelt. TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf hat nicht zuletzt durch seine TV-Formate „Circus HalliGalli“ oder „Die beste Show der Welt“ diesen Stempel aufgedrückt bekommen.

Dabei zeigte er mit seiner Band Gloria im Capitol, dass er auch gerne mal ohne Comedy auskommt. Gemeinsam mit Mark Tavassol („Wir sind Helden“) und der Gloria-Liveband überzeugte Klaas die  700 Konzertbesucher mit frischem und textlich tiefgründigem Indie-Pop.

Seit 2013 machen Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol  zusammen Musik. Was als Jam-Session in Hamburg begann, nahm schnell größere Ausmaße an. Mittlerweile ist das dritte Studioalbum „Da“ erschienen, welches das Pop-Gespann im Capitol präsentierte.

Das anfangs ungewohnte Bild des singenden Moderators wirkte schnell vertraut. Vor den Fans stand ein Sänger, der die Musik liebt und sich durch sie neu erfunden hat. Den singenden Klaas mit dem TV-Klaas über einen Kamm zu scheren, schien falsch zu sein.

Auf ihrem neuen Album haben Gloria Songs platziert, die mit leichten und poppigen Melodien überzeugen. Die sind zwar musikalisch eher weniger komplex, preschen dafür aber rhythmisch nach vorne und sorgten im Publikum für jede Menge tanzende Körper. Der begnadetste Sänger ist Klaas Heufer-Umlauf nicht. Aber das erwartet auch niemand von ihm. Seine Musik ist ehrlich und authentisch und verzeiht ihm die ein oder andere unbeholfene Geste: Die rechte Hand ungeschickt in die Hosentasche gestopft, strahlt Klaas bis über beide Ohren und freut sich über den Zuspruch, den er vom Publikum in Hannover fernab von Fernsehkameras bekommt.

Gegen Ende zündeten Gloria dann noch ein musikalisches Feuerwerk aus bunten flackernden Lichtern ab. Eben ein musikalisches HalliGalli mit ausgelassener Stimmung und Fans, die den Abend nach nur einer Stunde noch lange nicht enden lassen wollten.

„Na gut!“, erbarmte sich Klaas. „Wir haben vergessen, unseren Hit zu spielen! Wie konnte das nur passieren? Unseren Chart-Knaller!“, scherzte er.

Gemeint war der Song „Geister“ aus dem Jahr 2015. Neben Songs von den Vorgängeralben spielte die Band unter anderem „Der Sturm“, „Immer noch da“ und „einer von den anderen“ vom aktuellen Album.

Seinen Humor hat Klaas Heufer-Umlauf jedenfalls nicht verloren.

Und so sang er in der Zugabe „Haut“: „Danke für die schöne Zeit!“

Die Zeit war kurz. Aber schön war sie.



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