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KonzertReview

REVIEW | 22.06.2017 – Guns N‘ Roses – Messegelände Hannover

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REVIEW | 22.06.2017 – Guns N‘ Roses – Messegelände Hannover

22.06.2017 | Guns N’Roses – Messe Hannover [iPhone Shot by Torsten Gadegsat | 360k.de]

Der 22. Juni 2017 wird mit dem Konzert von Guns N’Roses auf dem Messegelände Hannover wohl in die Open Air Geschichte eingehen.

 

Nachdem Axl Rose und Co. um 20:30 Uhr unter dem Jubel der fast 75.000 Fans die Bühne enterten und den Abend mit „It’s so easy“ starteten, war bereits nach dem dritten Song „Chinese Democrazy“ wieder Schluss – zumindest vorerst.

Der Reihe nach: Bereits am Nachmittag informierte der örtliche Veranstalter die Fans via Facebook, dass es zu einem Unwetter kommen könne, dass Konzert aber auf jeden Fall stattfinden würde und ggf. unterbrochen wird und sich die Fans bei akuter Gefahrenlage in die geöffneten Messehallen begeben sollten.

Kurz vor Showbeginn schickte der Veranstalter einen Sprecher auf die Bühne, der die Fans vor Ort noch einmal entsprechend informierte, damit auch wirklich jeder Konzertbesucher informiert war und dieser Sprecher im Fall einer Gefahrenlage auch bereits bekannt war.

Während Gitarrist Slash die ersten Akkorde von „Welcome to the Jungle“ anstimmte, eilte der Sprecher von Hannover Concerts auf die Bühne und auf den LED-Wänden auf der Bühne wurden die Evakuierungswege noch einmal schriftlich festgehalten und die Show war unterbrochen.

Fast alle Fans suchten sich die Wege in die umliegenden Hallen, zu denen zusätzlich noch weitere Hallen geöffnet wurden um möglichst alle Konzertbesucher schnell in Sicherheit zu bringen. Hierbei muß man den Großteil der Fans loben, die sich vorbildlich verhalten haben und ohne Panik und in Ruhe den Weg in die Hallen gesucht haben ohne hier auch nur annähernd in Panik zu verfallen. In den Hallen standen ausreichend Getränke- und Sanitätsstände, sowie Toiletten bereit, sodass hier für jeden Konzertbesucher gesorgt wurde. Auch die Securitymitarbeiter machten hier einen vorbildlichen Job und wiesen die Besucher schnell und sicher vom Gelände.

In den Hallen selber gab es in der Zwischenzeit Gesänge und es herrschte eine ruhige, ausgelassene Stimmung. Jedoch gab es natürlich auch Dinge, die zu bemängeln waren. Dies betrifft aber weder den Veranstalter oder die Sicherheitsmitarbeiter, sondern einige Konzertbesucher, die sich den Anweisungen widersetzten und dadurch anderen Konzertbesuchern den Weg in die Hallen erschwerten.

Um kurz nach 21:30 Uhr trauten sich dann die ersten Besucher wieder ins Freie, wo es wenig später dann die Ansage gab, dass die Show ca. 22:00 Uhr fortgesetzt werden würde.

Da jedoch bereits die nächste Unwetterfront auf dem Radar des Wetterdienstes zu sehen war, verzögerte sich der Beginn immer mehr und die Unruhe bei den Fans stieg von Minute zu Minute. Jedem war klar, dass die meisten Open-Air Konzerte um 23:00 Uhr beendet sein müssten. An diesem Abend war aber eben alles anders.

Während der Himmel gerade noch einmal seine Schleusen öffnete, kam aus den Lautsprechern ein „Voices Check, Check“ und wenig später kamen die legendären Worte von Axl Rose „You know where you are? You’re at the Jungle, Baby!“ und die Show lief wieder. Treffender als mit diesen Worten hätte der Abend nun nicht weitergehen können, denn durch die Hitze des Tages und die Gewitter mit Starkregen, waren die Temperaturen wirklich wie im Dschungel.

Was von nun an folgte, wird ewig in den Geschichtsbüchern der Konzertgeschichte von Hannover, wenn nicht in der grundsätzlichen Geschichte von Open Air Shows zu finden sein: Mit den Gedanken, dass die Show sicherlich nicht komplett und daher stark gekürzt gespielt wird, wurde fortan jeder Song frenetisch gefeiert. „Welcome to the Jungle“ folgte ein „Double Talkin’ Jive“ der Extraklasse und jeder der 75.000 Fans merkte, dass die Band wahnsinnigen Bock hatte und wirklich alles gab. Der „Wings“-Klassiker „Live and let die“ wurde lauthals mitgesungen und nach „Rocket Queen“ folgte sogar eine Ansage von Axl Rose zu diesem Abend, wo er sagte, dass die Fans bitte Verständnis haben sollten, dass dieser Abend sicherlich durch die Unterbrechung nicht leicht ist und einige Songs gestrichen werden müssten, es aber dafür mit einem speziellen Freund der Band auch einige Überraschungen geben würde. Mit den Worten: „Please welcome Mr. Angus Young“ brachte er den Hermesplatz auf dem Messegelände Hannover zur absoluten Ekstase. Niemand, wirklich niemand der 75.000 Fans hätte wohl nach der langen Unterbrechung gedacht, dass er so einen Augenblick erleben würde. Doch dieser Augenblick war echt – und wie! AC/DC-Ikone Angus Young betrat in Hemd und Jeans lässig die Bühne und stimmte „Whole Lotta Rosie“ an und Axl Rose zeigte sich in absoluter Bestform. Die Fans rasteten völlig aus und feierten diesen Moment ausgelassen. Doch Angus Young hatte noch nicht genug und so gab es mit „Riff Raff“ noch eine „Zugabe“ bei der sich Axl Rose noch einmal selber übertraf und bei seinem Lieblingssong von AC/DC, den er im letzten Jahr schon als Vertretung für Brian Johnson bei einigen Konzerten der Australier performte, mit seiner Stimme Höhen traf, die er wohl bisher nur in den Zeiten Anfang der 90er Jahre getroffen hatte. Es war der Wahnsinn.

Während Angus Young mit Sprechchören aus „seinem Wohnzimmer“ (auf dem Messegelände Hannover gab es vorher nur zwei Shows – jeweils von AC/DC mit Angus Young) verabschiedet wurde, folgte „You could be mine“. Axl Rose, Slash und Duff McKagen waren spätestens jetzt mit Adrenalin überschüttet und so war diese Version des „Terminator“-Songs wahrscheinlich die beste Live-Version in der Geschichte der Band.

Wer nun dachte, dass der Abend nun bald sein Ende nehmen würde, sah sich getäuscht. Es ging einfach munter weiter, als wenn den ganzen Abend kein Gewitter, kein Regen oder irgendeine Unterbrechung gewesen wäre. Guns N’Roses waren in absoluter Höchstform und zelebrierten ein Jahrhundertkonzert und hatten sämtliche Klassiker am Start. „Sweet Child o’mine“ fehlte genauso wenig wie „November Rain“ oder Bob Dylans „Knockin’ on Heaven’s Door“. Auch dem kürzlich verstorbenen Soundgarden Frontmann Chris Cornell wurde mit einem starken und emotionalen „Black Hole Sun“ gedacht, bevor der „Nightrain“ auf das Messegelände einbog und die Show nach 25 Songs ein Ende fand – zumindest vorerst, denn es gibt noch immer weiter…

„Don’t Cry“ war der erste Song der Zugaben, der in voller Länge ausgespielt wurde und dem mit „The Seeker“ ein weiterer Cover Song von The Who folgte. Dann kam der Song, auf den sich die 75.000 Fans wohl am meisten gefreut hatten, denn es ging nach „Paradise City“. Während die Band noch einmal die letzten Reserven mobilisierte, feierten die Massen diesen Song unfassbar ab und es gab einen riesen Chor und noch einmal ein riesen Feuerwerk – mitten in der Nacht von Hannover um 1:09 Uhr! Das war einfach unfassbar. Um 1:15 Uhr war dieser Abend vorbei – mit einem riesen Knall und noch einmal reichlich Feuerwerk über der Bühne und insgesamt über drei Stunden (!!!) Spielzeit!

Nach den ersten rund 20 Minuten, folgten nach der Unterbrechung wahnsinnige 2 Stunden und 45 Minuten Spielzeit. Alles von einer Band, die eigentlich nie mehr in diesem Leben so zusammenspielen wollte und es nun doch wieder tut. Und das ist gut so und bleibt auch hoffentlich so, denn es hätte wahrscheinlich kein Fan im Vorfeld wirklich daran geglaubt, dass diese Band es noch einmal schafft, sich selber so zu pushen, musikalisch derartig gut harmoniert und vor allem so eine Show mit so einer Spielzeit auf dieser Tournee auf die Beine stellt.

Der Abend in Hannover wird auf immer und ewig ein Besonderer bleiben: Das ein Open Air Konzert dieser Größenordnung bis 1:15 Uhr dauert, fast kein Fan geht und dazu eine Band auf der Bühne steht, die wirklich das Letzte aus sich herausholt ist eine Sache. Das aber der Veranstalter der Tournee Live Nation Germany, der örtliche Veranstalter Hannover Concerts, die Ton- und Bühnentechniker, die deutsche Messe AG als Vermieter der Location, TOSA Security als Sicherheitsdienst, die Polizei, der Wetterdienst und zuletzt die lokalen Politiker, in Person von Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostock, derart gut zusammenspielen, damit so ein grossartiger Konzertabend nach so einem Unwetter doch, wie geplant, stattfinden kann, ist einzigartig und dem gebührt ein ganz grosses Dankeschön, denn für alle Beteiligten war dieser Abend eine absolute Herausforderung – auch wenn sicherlich nicht alles perfekt war. Aber wie heisst es doch so schön? Besondere Ereignisse, erfordern besondere Maßnahmen und hier haben alle, unter den gegebenen Umständen, einfach ihr Bestes gegeben. Chapeau!


Hinweis in eigener Sache: Aufgrund der strengen Akkreditierungsbestimmungen des Managements hatten wir leider keine Möglichkeit in normaler Form von diesem Konzert zu berichten. Daher haben wir uns für diese Show Tickets auf dem üblichen, offiziellen, Weg gekauft und uns entschlossen, statt öffentlich zu jammern (wie es einige Kollegen aus dem benachbarten Ausland getan haben), trotzdem eine Review mit einigen Fotos vom Handy und einer kleinen Handkamera zu veröffentlichen. Es war, trotz der Umstände, ein sensationeller und vor allem emotionaler Abend und wir möchten Euch unsere Sicht auf diese Show einfach mit einer KonzertReview rüber bringen und verzichten daher einfach mal auf gestochen scharfe Fotos aus dem Bühnengraben. Es war einfach ein sensationelles Konzert – wahrscheinlich sogar das beste Konzert überhaupt und damit hätten wir nicht gerechnet. Einigen unserer Teammitglieder ist noch das Konzert von Guns N’Roses von vor 25 Jahren, am 03.06.1992, im altehrwürdigen Niederachsenstadion im Gedächtnis. Damals waren Faith no More und Soundgarden mit Chris Cornell als Vorgruppen dabei und Mr. Axl Rose hatte einen seiner ganz, ganz schwarzen Tage und verbrachte die Show gelangweilt und sitzend vor dem Schlagzeug von Matt Sorum. Damals war es ein richtig mieses Konzert – wohl das schlechteste Konzert überhaupt. Heute, also fast auf den Tag genau, 25 Jahre später, erlebt man dann so einen denkwürdigen Abend und hat auch 24 Stunden später noch eine Ganzkörperentenpelle… 😉


 


 

 


Pressespiegel

  • Interview mit Nico Röger, Geschäftsführer Hannover Concerts | Neue Presse Hannover


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