Review | 10. – 12.03.2017 – Fury in the Slaughterhouse – TUI Arena Hannover

Sie reiten wieder: Fury in the Slaughterhouse haben sich am Wochenende in ihrer Heimatstadt Hannover mit drei eindrucksvollen Konzerten zurückgemeldet und gezeigt, dass sie noch keineswegs auf dem Weg zum Schlachthof sind. 34.500 Fans waren an allen drei Tagen in der ausverkauften TUI Arena dabei.

Die Arena an der EXPO Plaza in Hannover war in Rekordzeit ausverkauft. Zwei Shows meldeten nach 36 Stunden ausverkauft, die Dritte folgte wenig später und die Vorfreude war gross – bei Band und Fans.

Diese Atmosphäre spürte man in der Halle auch vom ersten Moment an. Das Licht ging aus und auf einem weissen Vorhang spielten sich Videoseqeuenzen aus 30 Jahren Fury in the Slaughterhouse, untermalt von „It’s a long way to the top“ von Susanna & The Magical Orchestra. Viele Fans in der Halle schwelgten hier bereits in Erinnerungen – viele haben die Band über die Jahre auf ihrem Weg vom „Flohzirkus“ am Flohmarkt in Hannover, bis zum letzten Konzert in der hannoverschen Parkbühne 30.08.2008 treu begleitet. Das Klassentreffen am 08.06.2013 auf der EXPO Plaza stellte dann noch einmal ein absolutes Highlight dar. Das die „Furys“ danach wirklich noch einmal derartig zurück kommen sollten, glaubte zu diesem Zeitpunkt eigentlich niemand.

Möglich machte die Party zu „30 Jahre Fury“ jemand, der bei den drei Shows leider nicht mehr dabei sein konnte. Wolfgang Besemer, damaliger Geschäftsführer von Hannover Concerts, brachte Kai Wingenfelder und Co. auf den Weg zu den Jubiläumsshows, starb aber am 19.12.2014 plötzlich und unerwartet. So widmete die Band ihm den zweiten Abend mit einer sehr emotionalen Ansprache.

Aber nun zu den drei Konzerten: 30 Songs aus 30 Jahren Fury in the Slaughterhouse mit fast drei Stunden Spielzeit waren angekündigt und so startete der Aufgalopp der Furys nach dem Intro mit „Dance on the Frontline“ und damit mit einem neuen Song vom frisch veröffentlichten Best-Of-Album, auf dem auch insgesamt sechs neue, tolle Songs zu finden sind. Lange dauerte es, bis der Vorhang fiel, aber spätestens dann kannte der Jubel keine Grenzen mehr und die Stimmung kochte und mit „Revelation“ (aus dem Album Hooka Hey!) und „Jericho“ (aus den Mono-Sessions) ging es munter weiter. Auf der großen LED-Wand wurden US-Präsident die Haare kreuz und quer geblasen und die 11.500 Fans feierten ihre Band. „Radio Orchid“ lud dann zum mitsingen ein, dem „Warchild“ folgte. 

Es folgten „Dancing in the Sunshine of the Dark“, „30 (It’s not easy)“ und „Milk and Honey“, bevor sich alle sieben Furys an das Ende des Laufstegs bewegten um dort „When God goes home“, „The she said“ und „Bring me home“ in akustischer Form zu performen. Dort kam dann auch der große Augenblick von Ronny, der seine Freundin beim Klassentreffen auf der EXPO Plaza nach Jahren wieder traf und sie nun um ihr Ja-Wort bat. Unter dem lauten Jubel von Fans und Band, nahm sie diesen Antrag natürlich an. 

Auch am zweiten Abend folgte an gleicher Stelle ein Heiratsantrag. Diesmal war es jedoch Thorsten Wingenfelder, der die Fans in der Arena um das Ja-Wort bat und damit noch einen größeren Begeisterungssturm losriß, dem am dritten Abend dann endlich, zum Abschluss, ein Chor von 11.500 Fans „Happy Birthday“ für die Band folgte.

Nun folgte Hit auf Hit: „Riding on a dead Horse“ zeigte, dass das Pferd noch lange nicht auf dem Weg zum Schlachthof ist und „Haunted Head and Heart“ wurde von Thorsten Wingenfelder wie zu alten Zeiten emotional und gefühlvoll zu einem der Highlights der drei Abende.

„When I’m dead and gone“ diente dann dazu die Wärme in der Halle ein wenig in Bewegung zu bringen und den Herren auf der Bühne etwas „frische Luft“ zuzuwedeln. Gesagt, getan und 23.000 Arme bewegten sich brav von links nach rechts und bildeten ein tolles Bild in der Arena.

Mit „Trapped today, trapped tomorrow“ und „Cry it out“ folgten zwei Klassiker, bis mit „Words“ am ersten Abend ein weiterer neuer Song mit irischer Partyqualität kam, der jedoch an den folgenden Abenden durch „Come on“ ersetzt wurde.

Weiter ging es mit „In your Room“ und einem weiteren neuen Song mit „Love has gone home“, bevor es mit „Are you real“, „Every Generation got it’s own disease“ und einem weiteren Seitenhieb auf US-Präsident Donald Trump auf die Zielgerade ging, die dann mit dem Klassiker schlechthin „Won’t forget these Days“ vorerst überquert wurde und solange von den 11.500 Fans weitergesungen wurde, bis die Band, die sich nicht lange Bitten ließ, auf die Bühne zurückkam um dann gemeinsam diesen „Kracher“ noch einmal bis zum Ende zu spielen.

„My personal Everst“ war dann der letzte neue Song des Abends und mit „Down there“ verabschiedeten sich die Furys dann erneut von der Bühne – um wenig später erneut zurück zu kommen, denn schließlich waren „erst“ 26 Songs gespielt.

Nun kam die Zeit von Christof Stein-Schneider, der mit lockeren Sprüchen die Kurve zu „Kick it out“ nahm, dem dann eine kleine Geschichte von Frontman Kai Wingenfelder folgte, der mit Christof zusammen vor einigen Jahren nach Frankreich reisen musste. Beide mussten sich dort in einer kleinen Bar Geschichten über den zweiten Weltkrieg entgegen sehen, bis Stein-Schneider die magischen Worte „Ich fahre einen Citröen“ in die Runde warf und sich auf einmal alles in der „Bar des Boulistes“ änderte und man mit allen Gästen gut Freund war.

„Time to Wonder“ bildete dann wohl das absolute Highlight des Abends und die Arena verwandelte sich in ein Meer von 11.500 Lichtern. Der Anblick durch das Rund der Halle zu diesem Song lässt einem sicher noch lange eine Gänsehaut überkommen. Der Chor der Fans dazu rundet den Song entsprechend ab und macht alle drei Abende unvergesslich.

Mit „Seconds to fall“ kamen die Furys dann nach rund 2 Stunden und 45 Spielzeit endgültig zum Schlusspunkt ihrer drei unglaublichen Comeback Shows, die zugleich der Startpunkt für eine kleine „Summer Open Air“ Tour war.

Hier werden Fury in the Slaughterhouse einmal quer durch die Republik in folgenden Städten zu erleben sein:

  • 12.05.17 – Bad Seegeberg – Freilichtbühne
  • 13.05.17 – Aurich – Mehrzweckgelände Tannenhausen
  • 14.06.17 – Mannheim – Maimarktgelände
  • 15.06.17 – Trier – Porta Negra
  • 16.06.17 – Trier – Porta Negra (Ausverkauft)
  • 08.07.17 – Erfurt – Festwiese
  • 14.07.17 – Hamburg – Stadtpark (Ausverkauft)
  • 15.07.17 – Hamburg – Stadtpark
  • 21.07.17 – Halle (Westfalen) – Gerry Weber Stadion
  • 22.07.17 – Mönchengladbach – SparkassenPark
  • 18.08.17 – Kiel – Freilichtbühne Krusenkoppel
  • 20.08.17 – Ulm/Wiblingen – Klosterhof
  • 26.08.17 – Osterholz-Scharmbeck – Freigelände
  • 01.09.17 – Dortmund – Westfalenpark
  • 16.09.17 – Hameln – Weserbergland Stadion

Tickets gibt es bei Eventim zwischen 43,35 Euro und 59,25 Euro. 

Fazit: Fury in the Slaughterhouse galoppieren wieder und zwar besser als jemals zuvor. Mit Martin Huch wurde ein absoluter Top-Mann an den Gitarren mit in die Band geholt, der den typischen Fury-Sound noch einmal deutlich nach oben schraubt und der Band gut tut. Alle sieben Bandmitglieder sprühen nur vor Spielfreude und man merkt ihnen die Lust es in diesem Jahr nochmal wissen zu wollen, deutlich an. „Man habe sich damals im Jahr 2008 getrennt um Freunde bleiben zu können“, verriet Kai Wingenfelder während der Shows in Hannover und die Band tat gut, diese Trennung damals zu vollziehen um jetzt noch einmal zusammen mit den Fans eine riesen Party feiern zu können. Der Mix aus Klassikern und neuen Songs macht die Konzerte noch einmal richtig interessant und so freuen wir uns, dass wir zusammen mit Fury in the Slaughterhouse in diesem Sommer noch einige Ausritte wagen werden. 

Fury in the Slaughterhouse – 2017: Kai Wingenfelder (Gesang), Thorsten Wingenfelder (Gitarre), Christof Stein-Schneider (Gitarre), Rainer Schumann (Schlagzeug), Christian Decker (Bass), Martin Huch (Gitarre und Steel-Guitar), Gero Drnek (Multitalent an allen weiteren Instrumenten).